Paula Modersohn-Becker

                                    

Zum 100. Todestag der Worpsweder Künstlerin Paula Modersohn-Becker am 20. November 2007 möchte ich sie mit einer Kurzbiografie und ein paar Bildern von ihren mehr als 1000 Gemälden und Zeichnungen vorstellen.


Wer sie näher kennenlernen möchte, hier eine Buchempfehlung:


Kerstin Decker: „Paula Modersohn-Becker. Eine Biografie“, Prophyläen-Verlag, 2007.

Ausstellungen:

In Worpswede wurde jetzt im Juli 2007 eine Ausstellungsserie zum 100. Todestag am 20. 11. 2007 der Malerin Paula Modersohn-Becker eröffnet. Sie soll bis zum 24. 02. 2008 laufen.

Sechs Kultureinrichtungen in Worpswede feiern die berühmteste Malerin der Künstlerkolonie:

Der Barkenhoff: „Paula Modersohn-Becker und die ‚Familie’ der Künstler“,
Ostendorfer Straße 10;
Das Haus im Schluh: „Heinrich Vogeler und Paula Modersohn-Becker – eine Künstlerfreundschaft“;
Die Künstlerhäuser Worpswede, Bergstrasse 1;
Die Große Kunstschau, Lindenallee 3-5;
Museum am Modersohn-Haus und
Die Worpsweder Kunsthalle, Bergstraße 17.

Vom 13. Oktober 2007 bis 24. Februar 2008 findet in der Bremer Kunsthalle unter dem Titel: „Paula in Paris“ eine Ausstellung mit rund 50 herausragenden Gemälden der Künstlerin statt. Daneben werden Gemälde der großen Meister der klassischen Moderne gezeigt. Es sind eben jene Künstler, von denen sich die Worpsweder Künstlerin in Paris inspizieren ließ.


Kurzbiografie

Paula Becker wurde am 8. Februar 1876 als drittes von sieben Kindern in Dresden geboren.

Die Eltern Woldemar Becker und Mathilde von Bültzingslöwen als Verlobte Chemnitz um 1871


1988 zog die Familie um nach Bremen. Neben dem Besuch eines Lehrerinnenseminars – auf Wunsch der Eltern – nimmt sie von 1893 bis 1895 privaten Malunterricht, denn im Innern war sie an der Kunst interessiert.
Paula Becker fasste ihr Ziel mit folgenden Worten ins Auge: „Ich diene ihr auf Knien, und sie muss die Meine werden.“

1896/1897 nimmt sie gegen den Widerstand der Eltern Kunstunterricht an der Mal-Zeichenschule des „Vereins der Berliner Künstlerinnen“ in Berlin.
Dieser Verein ermöglichte Frauen ein Kunststudium.

1897 entdeckte Paula Becker bei einem Ausflug Worpswede. „Ein Wunderland, ein Götterland“ schwärmte die 21-Jährige.
1898 siedelt sie nach Worpswede und schloss sich der Künstlerkolonie um Heinrich Vogeler, Fritz Mackensen (von ihm bekommt sie Malunterricht), Otto Modersohn, Hans am Ende und Fritz Overbeck an. Im Barkenhoff trafen sich die Künstler.

Barkenhoff in Worpswede

Hier fand sie eine neue malerische Sprache. Modelle suchte sie sich in den Moorkaten, in der norddeutschen Landschaft und bäuerlichen Welt.

In dieser Künstlerkolonie war für einige Zeit auch Rainer Maria Rilke, mit dem Paula Becker Freundschaft schloss. Hier lernte sie auch die Bildhauerin Clara Westhoff kennen, die später Rilke heiratete.

Paula Becker und Clara Westhoff in Paulas Atelier Worpswede um 1899


1900 fuhr Paula Becker zum 1. Mal nach Paris, wo sie die Académie Colarossi besuchte und einen Anatomiekurs an der École des Beaux-Arts belegte.
Die Werke von Vincent van Gogh beeinflussten sie, die nun die „Einfachheit der großen Form“ und die Darstellung des „schlichten“ Menschen suchte. „Fromme Gestalten“ sollten es sein, mit einem „weichen seligen Lächeln“.

Birken, Kiefern, Wiesen und Moor waren auf ihren unsentimentalen Bildern zu sehen; Frauen und Kinder waren jedoch ihre meisten Motive.

1901 heiratete die Künstlerin den elf Jahre älteren Worpsweder Landschaftsmaler Otto Modersohn. Dieser lobte zwar ihre „famosen Farben“, konnte aber – wie andere auch – nichts mit ihrer Darstellung der Menschen anfangen: „Hände wie Löffel, Nasen wie Kolben, Münder wie Wunden. Ausdruck wie Cretins.“

Es folgen drei Fotos mit diesen Titeln:

1) Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn in dessen Atelier Worpswede 1901

2) Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker mit Stieftochter Elsbeth Worpswede um 1902

3) Paula mit ihrer Stieftochter Elsbeth

  

1905 unternahm Paula Modersohn-Becker, wie sie sich nun nennt, die zweite Reise nach Paris, wo die französischen Impressionisten, u. a. Paul Cézanne und Paul Gauguin, auf ihre Arbeit Einfluss nahmen.


Gemeinsam mit ihrem Mann stellte die Künstlerin 1906 in der Bremer Kunsthalle aus. Von der Öffentlichkeit wurde die Ausstellung kaum beachtet.

Paula Modersohn-Becker zog nach Paris, sie hatte sich vorher vorübergehend von ihrem Mann getrennt.
Sie richtete sich ein Atelier ein und belegte Kurse an der École des Beaux-Arts.

Mumienbildnis im Louvre in Paris

Im Louvre wurde die Künstlerin durch antike Mumienbildnisse angeregt, so dass sie zu einem radikal modernen Portraitstil fand. (s. auch ihr „Selbstbildnis mit Kamelienzweig“ Paris 1906/1907, weiter unten in ihren Bildern.)


1907 kehrte sie nach Worpswede zu ihrem Mann zurück.


Am 2. November 1907 wurde die Tochter Mathilde –Tille- geboren.

Paula Modersohn-Becker mit Tochter Mathilde Worpswede November 1907

Drei Wochen nach der Geburt starb Paula Modersohn-Becker am 20. November 1907 im Alter von 31 Jahren an einer Embolie, die einen Herzschlag ausgelöst hatte. Kurz vor ihrem Tode soll sie ein paar schwere Atemzüge gemacht haben und leise gesagt haben: „Wie schade“.

„Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben“, schrieb Paula Modersohn-Becker schon sehr viel früher. „Aber ist das denn traurig? Ist ein Fest schöner, wenn es länger ist? Und mein Leben ist ein Fest, ein kurzes, intensives Fest.“

Zum Schluss dieser Kurzbiografie möchte ich noch zwei Zitate von Paula Modersohn-Becker anfügen:

„Es ist einmal wieder Abend, einmal wieder einer von meinen schönen Abenden. Dann ist mir’s, als ob die ganze Welt mir offen stünde. Dann setze ich mich in meinen gemütlichen Stuhl, den Du ja kennst, denke nicht viel, doch auch nicht zu wenig, dieses Wenige aber intensiv, empfinde intensiv und freue mich leise, leise, dass ich Paula Becker bin.“ (Brief an ihren Bruder Kurt, 1897, zit. nach Beuys, S. 119)


„Es ist meine Erfahrung, daß die Ehe nicht glücklicher macht. Sie nimmt die Illusion, die vorher das ganze Wesen trug, daß es eine Schwesterseele gäbe.
Man fühlt in der Ehe doppelt das Unverstandensein, weil das ganze frühere Leben darauf hinausging, ein Wesen zu finden, das versteht. Und ist es vielleicht nicht doch besser ohne diese Illusion, Aug in Auge einer großen einsamen Wahrheit?
Dies schreibe ich in mein Küchenhaushaltebuch am Ostersonntag 1902, sitze in meiner Küche und koche Kalbsbraten.“

              Bilder


Clara Westhoff Porträtbüste Paula Becker 1899

Mond über Landschaft um 1900


Brustbild der Schwester Herma mit Marienblümchenkranz Worpswede um 1900
     
     

Selbstbildnis vor Fensterausblick auf Pariser Häuser Paris 1900

Worpsweder Landschaft

Vordergrundstudie mit Huflattich und Schmetterling um 1901
     
     

Stehendes Mädchen vor einem Ziegenstall 1902

Mädchen mit Kind vor roten Blumen Worpswede 1902

Säugling mit der Hand der Mutter Worpswede 1904
     
     

Sitzende Alte mit Katze 1904

Sitzendes Mädchen zwischen Birkenstämmen um 1904

Selbstbildnis vor grünem Hintergrund mit blauer Iris um 1905 Leinwand

     
     

Brustbild der Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff Worpswede 1905

Stillleben mit Äpfeln und Bananen um 1905

Mädchen mit Kaninchen 1905

 

     
     
 

Halbakt einer Italienerin mit Teller in der erhobenen Hand Herbst 1906

 

 
     
     

Stehender und kniender Mädchenakt vor Mohnblumen 2.Mai/Juni 1906

 

Selbstbildnis mit weißer Perlenkette 1906


Bildnis Rainer Maria Rilke Paris Juni 1906
     
     

Stilleben mit gelbem Napf Paris 1906

Liegende Mutter mit Kind Paris 1906

Mutter mit Kind auf dem Arm Paris 1906
     
     

Selbstbildnis als stehender Akt mit Hut Paris 1906

Selbstbildnis am 6.Hochzeitstag Paris Mai 1906

Selbstbildnis mit Kamelienzweig Paris 1906/1907
     
     
     

Alte Armenhäuslerin Worpswede 1907

Kniende Mutter mit Kind an der Brust Paris 1907

Brustbild eines Mädchens mit braunem Kleid und schwarzem Hut 1907

 

     
     
 

Foto vom verschollenen Selbstbildnis Drei weibliche Halbakte Paris 1906/1907